Der Groll des Urgroßvaters

„Ein Franzose in meinem Haus?“ – Wie ich mit Hilfe von ThetaHealing den Ursprung meiner Blockade gegenüber Frankreich verstehen und auflösen lernte.

Frankreich. Wo andere ins Schwärmen geraten, stand bei mir immer ein großes No-Go. Ich fand die „schönste Sprache der Welt“ von jeher eher kitschig und Frankreich war das einzige Land, in das ich nicht im Rahmen eines Schüleraustauschs wollte. Begründen konnte ich damals noch nicht, es war mehr so ein Unbehagen.

Als ich rund zehn Jahre nach dem Abitur bei einem Magazin in Luxemburg zu arbeiten begann, wurde mir dieser blinde Fleck mehr und mehr bewusst. Ich genoss die Internationalität und Mehrsprachigkeit, realisierte aber auch, dass ich Französisch zwar wunderbar lesen konnte, sobald ich die Sprache aber sprechen wollte, verknotete sich alles in meinem Gehirn.

Als ich mich dann vor fünf Jahren in einen Franzosen verliebte, fielen meine Freunde aus allen Wolken und hielten das für den größten Witz des Schicksals, Universums oder wie auch immer. Ich inklusive. Ich fand mich also plötzlich ständig in Frankreich wieder und lernte natürlich sehr liebe Menschen dort kennen.

Meine Vorurteile in Bezug auf die französische Gesellschaft oder – sehr stereotyp – „die Franzosen“ allerdings bestätigten und verstärkten sich auf nahezu beängstigende Art und Weise. Ja, Glaubenssätze können sehr stark sein.

Ich spürte also, dass da mehr dahinter steckte, und konnte mit ThetaHealing und gesundem Menschenverstand schon viele Denkmuster auflösen, die mir als Saarländerin quasi in die Wiege gelegt wurden. Denn die wechselhafte und Konflikt beladene Geschichte zwischen der Grenzregion auf der einen und der „Grande Nation“ auf der anderen Seite hatte sich hier immer wieder manifestiert und das Saarland zum Spielball gemacht.

Die Gespräche mit meinen Großeltern hatten mir gezeigt, wie viele Ängste und Vorbehalte da noch im Argen lagen. Und trotz alledem und gerade weil ich normalerweise ein Mensch bin, der solche kollektiven Programmierungen ziemlich schnell durchschaut und ablegen kann, spürte ich, dass da noch mehr im Unbewussten schlummern musste.

In meinem letzten ThetaHealing-Seminar machte ich mir dies zum Thema. Was sich zeigte, war die Energie meines Urgroßvaters, die mich hier beeinflusste und angesehen werden wollte. Für ihn, der in beiden Weltkriegen gegen Frankreich gekämpft hatte, war es unvorstellbar, dass ich, seine Urenkelin, mit einem Franzosen in seinem Haus lebe. Und nicht zuletzt, dass unsere Tochter, seine Ururenkelin, mit einem französischen Namen, zwei Nationalitäten und zwei Sprachen groß wird.

Starker Groll und vor allem Fassungslosigkeit schlugen mir da im Theta-Zustand entgegen, das Gefühl hintergangen worden zu sein. Diese Gefühle erschienen mir zuerst lächerlich – klar, aus der Sicht unserer Zeit. Doch je mehr ich mich einfühlte, spürte ich den Kampf dieses Mannes, für seine Familie zu sorgen, ein sicheres Heim für sie zu schaffen – das alte, etwas windschiefe Bauernhäuschen mit dem großen Garten, in dem wir nun wohnen.

1912 kaufte Jakob dieses schon bestehende Anwesen und baute es für seine Familie um. Zwei Jahre später musste er im Ersten Weltkrieg an die Front. Zwei Weltkriege überlebte er, das Leben seiner Familie wurde immer von Angst und Verlusten schwer erschüttert. In diesem unseren Haus im abgelegenen Hochwald kamen Freunde und Familie unter, als es in den Städten zu gefährlich wurde.

Garten, Äcker, Wälder, die Kuh und Schweine boten immer genug Nahrung. Sicherheit, Fülle und Freiheit bedeuteten für meine Urgroßeltern Jakob und Barbara etwas ganz Anderes als für uns heutzutage. Und bedroht wurden diese Werte fast ihr ganzes Leben lang von – „den Franzosen“.

Natürlich ist das die persönliche Perspektive eines einzelnen Menschen und keine objektive Sicht auf die Geschehnisse damals. Aber dennoch zählt sie, weil es meine und viele andere Familien betraf und wohl immer noch als tiefer Groll und Unsicherheit in unseren Energiesystemen gespeichert ist.

Seit ich diese Gefühle bewusst wahrgenommen habe, fühle ich mich erleichtert.

„Ohne Wurzeln keine Flügel“ ist ein Spruch, den man immer wieder liest – ich verstehe, was er bedeutet. Unsere Ahnen – ob viele Generationen zurückliegend oder unsere Eltern als direkte Vorfahren – verdienen Respekt und Wertschätzung, auch wenn wir vieles aus heutiger Sicht anders sehen. Es war ihre Sicht damals und wenn wir uns in ihre Schuhe begeben, werden wir spüren, dass sie – so wie wir heute – ihr Bestes gaben, ihrer Situation entsprechend.

Ich fühle mich jetzt in zweierlei Hinsicht befreit. Zum einen kann auch ich diesen Groll, der niemals meiner war, sondern übernommen wurde, loslassen. Und zweitens kann ich all die Geschenke der französischen Kultur annehmen, ohne unterbewusst das Gefühl zu haben, meinen Urahn und sein Erbe zu „verraten“. Hinzu kommt, dass ich unser Haus viel mehr zu schätzen weiß.

Den alten Holzofen mit Herd, auf dem wir jetzt im Winter ständig kochen und der eine gemütliche Wärme verbreitet, die alten Eichenböden und Terrakotta-Fliesen. Und im Frühling werde ich in den Garten gehen. Es ist nicht mehr der Garten meiner Kindheit, mit seinem Kartoffelfeld, der Himbeerhecke, den Bohnenstangen und der unglaublichen Fülle, die dort fast das ganze Jahr über herrschte. Aber ich werde anfangen, den Garten kennen zu lernen und Stück für Stück zu ehren. Auf alte, neue Weise – mit den Ideen der Permakultur.

Als gutes Omen nehme ich, dass die Rosen und der Apfel- und Walnussbaum, die mein Urgroßvater pflanzte, noch immer da sind. Sie brauchen ein wenig Heilung, aber dafür bin ich ja da.

 

 

 

 

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